Reprise
„Gaidos um 3“
Wienerlied-Nachwuchs-Gesangswettbewerb
unter der Patronanz von Luise Seitler

Ich hatte schon einige schöne und erfolgreiche Tage in meinem jetzt 60-jährigen Leben und der Tag des Wienerlied-Nachwuchs-Gesangswettbewerbs zählt definitiv dazu. Nach monatelangen Vorbereitungen war es am Samstag, den 20. September 2014 um 15.00 Uhr im Musikgasthaus Ebner endlich soweit. Dazu bewogen haben mich die vielen pessimistischen Meinungen von Gästen aus der Wienerliedszene, wo es heißt, dass das Wienerlied bald verloren geht, da es an jungem Nachwuchs mangelt. Da dachte ich mir, man darf nicht einfach jammern, sondern man muss etwas dafür tun. Und ich tat was. Und da muss ich nun 8x Danke sagen:
1. Danke einmal an mich selbst: Dass ich mich von meiner Linie nicht habe abbringen lassen, das Alterslimit von max. 30 Jahren einzuhalten und, dass ich nie die Geduld verloren habe.
2. Danke an Luise Seitler, die weiß, dass es ohne Geld ka Musi gibt und sich spontan dazu entschlossen hat die Patronanz und somit die finanzielle Unterstützung zu übernehmen.
3. Danke an Michael Perfler, der sich, noch bevor ich ihn gefragt habe, sofort angeboten hat die Moderation zu übernehmen.
4. Danke an alle Jurorinnen und Juroren, alle erfahrene Wienerliedexperten, die von meinem Vorhaben begeistert waren und, dass sie die jungen Sängerinnen und Sänger des Bewerbes nach ihrer Auswahl für ihre Vereinen engagieren werden.
5. Danke an Familie Kolleger von der Wienerliedzeitung und an Michael Mössmer von wienerlied.at, die es mir ermöglichten Werbung für den Wettbewerb zu machen, und an Erich Zib, der eine Radio-Orange Sendung mit den Künstlern präsentieren wird.
6. Danke an Karl Macourek, der sich spontan als Pianist zur Verfügung stellte. Herzlichen Dank an Prof. Fritz Brucker, der in den Sommermonaten mit den jungen Künstlern im Konzerthaus probte.
7. Danke an 6 Sängerinnen und 1 Sänger die sich dem Wettbewerb stellten.
8. Zu guter Letzt ein Danke an das beim Wettbewerb anwesende Publikum, denn ohne Publikum wäre jede Veranstaltung sinnlos, da könnten alle Sänger zu Hause bleiben und in der Badewanne singen.
Nach meiner, dieser kurzen Ansprache legte Michael Perfler mit seiner perfekten Moderation los. Vor jeder Sängerin und vor unserem einzigen Sänger erzählte er eine kurze Lebensgeschichte von jedem, wo wir alle erstaunt waren, welche Ausbildung so alle hatten.
Elisabeth Jahrmann war die erste Sängerin und wir hörten von ihr „Alois“, „Der Krankenkassapatient“ und „Im Prater blühen wieder die Bäume“. Sie stammt aus Linz, beherrscht aber perfekt den Wiener Dialekt und überzeugte nicht nur durch ihre Sopranstimme, sondern auch mit ihrem schauspielerischen Talent.
Beate Korntner, die mich auch als Filmschauspielerin in ihren Kurzfilmen auf ihrer Homepage begeisterte, war die zweite in der Auftrittsfolge und sie sang von Fritz Spielmann „Die Schinkenfleckerln“ „Wenn im Wienerwald die ersten Veilchen blüh’n“ und „I hab amal a Räuscherl g’habt“, ein Lied von Karl Kapeller. Sattelfest ist sie auch im Musical, und in der Operette.
Manami Okazaki ist nicht nur ihrer japanischen Sprache mächtig, auch das Wienerische beherrscht sie sehr gut. Obwohl sie erst 2007 nach Wien kam, verliebte sie sich sofort in die Stadt der Lieder und in den Wiener Dialekt, den sie bei „Schön ist so ein Ringelspiel“ unter Beweis stellte. Weiters brachte sie das „Lied aus Wien“ von Franz Schubert und mit „Wien, dich hab ich lieb“ hat sie natürlich Luise Seitler’s Herz gewonnen, stammt er Text ja aus ihrer Feder.
Als einziger männlicher Kandidat war Philipp Landgraf zum Wettbewerb gekommen und begeisterte mit seiner gemütlichen Ausstrahlung das Publikum und die Jury. In seinem 3 Seiten langen Lebenslauf, findet man seine Ausbildung für Oper, Operette, Lieder, Wienerlied und Heurigeng’stanzeln etc. Er brachte uns „Die Reblaus“, „Die Hausherrnsöhneln“ und das „Wiener Fiakerlied“ mit sehr viel Wiener Charme und Esprit.
Erwähnen möchte ich auch unseren hervorragenden Pianisten Karl Macourek, der alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer souverän begleitet hat. Noten hinlegen, Karli spielt alles!

Die Jury bestand aus hochqualifizierten Wienerliedexperten von Wienerliedvereinen. Mit dabei waren: Monika & Peter Hana (Wiener Klang), Gerti Straka-Wasservogel (AltWienerClub Meidling), Erwin Steininger und Leopold Hawelka (HBB), Sissi & Walter Gaidos (Gaidos um 3), Michael Perfler (Radio Wienerlied Stammtisch) und natürlich Luise Seitler, von der es ja sieben sehr bekannte Wienerlieder gibt, die sehr gerne gesungen werden.
Nach einer Pause für Kaffee und Kuchen ging es weiter in den 2. Teil der Veranstaltung.
Lizzi Koroschitz sang ein Lied von Richard Leukauf und erklärte uns „I bin a Madl von aner eigenen Rass“. Das war sie wohl, sie kam schwungvoll mit einem roten Tretroller, Blumenkleid und Strohütchen angereist. Weiters hörten wir von ihr „Mei Muatterl war a Weanerin“ und „Draußen in Sievering“. Beides sehr gefühlvoll gesungen. Ihr Lebenslauf erzählt uns auch, dass sie mehrere Sprachen spricht, sie tanzt Ballett, Stepp, kann Fechten, spielt Klavier, Klarinette, Orgel, Akkordeon und vieles, vieles mehr.
Es erstaunte mich immer wieder was so junge Menschen alles Können, eben richtige Könner – beneidenswert!
Einen sehr kurzen Lebenslauf noch hat die vorletzte Sängerin des Bewerbes. Marlene Moldaschl, ganze sieben (7) Jahre zählt das Mädchen und Fritz Oslansky der sie auf seiner Kontragitarre begleitete, ist ihr geliebter Opa. Ohne Scheu und total unkompliziert meisterte sie ihren Auftritt mit ihren drei Liedern: „Heut‘ kommen d’Engerln auf Urlaub nach Wean“, „Das hat ka Goethe g’schrieb’n“ und mit einer rosa Feder im Haar sang sie „Schnucki, ach Schnucki“ und somit fuhren wir auch noch nach Kentucky. Das nennt man wirklichen „Nachwuchs im Wienerlied“ Ich bin mir sicher, von ihr werden auch unsere Enkelkinder noch hören.
Zu guter Letzt trat Eva-Maria Prosek auf. Mit ihrem Vortrag über die „Novaks aus Prag“ sang sie sich in die Herzen des Publikums. Wir hörten auch ein Lied von Walter Jurmann „Wien ist wieder Wien“ und mit der „Telefonbuchpolka“ von Georg Kreisler begeisterte sie die Jury so sehr, dass sich die 25 jährige Wienerin mit dunkelblondem Haar und grünen Augen über den Siegerpokal und 500 Euro Preisgeld freuen durfte.
Für die Jury war es nicht einfach aus dieser perfekten Vielfalt eine 1. Platz zu ermitteln. Ing. Peter Gruber hat die Auswertung wertfrei durchgeführt. Wir werden alle Sängerinnen und unseren einzigen Nachwuchssänger ganz bestimmt in den Wienerliedvereinen sehen. „Gaidos um 3“ hat sich schon um Termine mit der Wienerliedjugend bemüht. Genaue Auftrittstermine erfahren sie unter www.gaidosumdrei.at und auf www.daswienerlied.at.

Da es mir ein großes Anliegen ist, dass Wienerlied, Wienerliedmusiker mit Akkordeon, Gitarre, Klavier etc. und Wienerliedvereine weiterbestehen sollen, und für all dieses Nachfolger gesucht werden, wird es 2016 nochmals einen Wettbewerb geben. Ich werde mich rechtzeitig melden!

Ein Bericht von Sissi Gaidos
Fotos Heinz Horacek